„Folge deiner Berufung, das Geld kommt von allein.“ Wenn man Bücher oder Beiträge in sozialen Medien liest, könnte man das manchmal so interpretieren. So, als müsste man nur finden, was einem Freude bereitet und dann verdient man damit automatisch gutes Geld.
Auf der anderen Seite höre ich immer wieder Menschen, die sich überhaupt nicht auf die Suche nach ihrer Berufung machen, obwohl sie sich mehr Erfüllung wünschen, weil sie denken „Mit dem, was mir Spaß macht, verdiene ich eh kein Geld.“
Ersteres schafft eine hohe Erwartungshaltung, letzteres lädt dich geradezu ein, die Opferhaltung einzunehmen und in einer Komfortzone zu bleiben, so als könntest du das gar nicht beeinflussen.
Ich will dir im Artikel kurz erläutern, wie Berufung und Geld zusammenhängen, weshalb es nicht ausreicht, deine Berufung zu erkennen und wieso es sich trotzdem lohnt, ihr nachzugehen.
Warum folge deiner Leidenschaft zu kurz greift
Lass uns einen kurzen Blick darauf werfen, was Berufung ist. Manche Menschen verbinden damit den Traumjob - für mich geht es weit über den Job hinaus: Du gestaltest dein Leben mit dem, was du tust und wie mit der Art und Weise wie du lebst.
Berufung entwickelt sich immer von innen nach außen. Von „wer bin ich“, „was kann und will ich“ bis „wie kann ich damit anderen dienen“.

Berufung ist nur ein Teil des Puzzles
Der erste Teil des Puzzles ist, dass du deiner Berufung überhaupt nachgehst und erkennst, wer du wirklich sein möchtest.
Wenn du mit dem, was du gerne machst, einen Wert im Leben anderer schaffen kannst, kannst du damit auch Geld verdienen mit deiner Berufung. Aber nicht automatisch. Deswegen denke ich nicht, dass das Geld von ganz alleine kommt, wenn man seiner Berufung folgt. Auch Gespräche, die ich mit Frauen führe, die ihre Berufung leben, bestätigen mir das.
Dein zweites Puzzleteil: Denn, um mit dem, was dir Freude macht, Geld zu verdienen, bedarf es, dass du beispielsweise deinen Wert erkennst. Und wenn du deine Berufung in Form eines eigenen Business leben möchtest, dann kommen unternehmerische Qualitäten und Fähigkeiten dazu. Das, was du über dich unbewusst denkst, wie beispielsweise, „ich bin noch nicht gut genug“, „dafür brauche ich zuerst eine Ausbildung“, „ich kann kein Geld verdienen mit dem, was mir Freude macht.“…sind limitierende Glaubenssätze - sie hindern dich ebenso daran, mit deiner Berufung Geld zu verdienen.
Mein eigenes Beispiel: Du wirst mir vielleicht zustimmen, dass viele Menschen unzufrieden im Job sind oder sich in beruflichen Orientierungsphasen Hilfe wünschen. Genau dafür ist mein Angebot gemacht. Heißt das, dass ich damit automatisch Geld verdiene? Du wirst mir sicher zustimmen: „nein“.
Berufung ist ein wichtiger Teil des Puzzles! Sie zu kennen bedeutet, dass du viel weiter bist als die meisten Menschen. Ein weiterer Teil ist, es zu schaffen, seine Berufung zu leben, das zu tun, was dir Freude macht, und im besten Fall damit Geld zu verdienen. Dafür gibt es verschiedene Wege.
Platz schaffen für das, was wichtig ist.
Deine Berufung zu leben kann bedeuten, einen „normalen“ Angestellten-Job zu haben, um damit dein Leben zu finanzieren und das, was dir am meisten Freude macht, in einem Ehrenamt, Hobby zu leben.
Peggy, die ich vor kurzem für meinen youtube-Kanal interviewte, lebt ihre Berufung, indem sie beim Finanzamt in Teilzeit arbeitet und nebenher ihr Herzensbusiness, eine Selbstständigkeit, aufbaut.
Deine Berufung zu leben, bedeutet im ersten Schritt, dass du dafür Schritt für Schritt Platz dafür in deinem Leben schaffst - ohne dabei deine finanzielle Sicherheit außer Acht zu lassen.
Selbstverwirklichung braucht ein stabiles Fundament
Du kennst sicher die Maslowsche Bedürfnispyramide.
Unten kommen zuerst die Grundbedürfnisse, oben die Selbstverwirklichung.
Auf den Job übertrage ich das:
- Unten kommt die finanzielle Sicherheit, ein regelmäßiges Einkommen, mit dem du deine Miete und dein Essen bezahlen kannst.
- In der Mitte kommt der Traumjob. Du arbeitest in dem, was dir Freude macht und bekommst dafür Anerkennung.
- Ganz oben steht für mich, die Berufung zu leben. Hier geht es nicht nur um den Job, sondern darum, wie du dein Leben so gestaltest, dass es sich nach Sinn und Fülle anfühlt.

Aus meinen Gesprächen mit Coachees weiß ich, wie wichtig ihnen finanzielle Sicherheit ist. Daher betrachte ich den Weg zur Berufung wie ein Gerüst: Die unteren Reihen dürfen stehen, damit du oben gehen kannst.
Kein entweder oder
Was bei Peggy schon anklingt, hat inzwischen sogar einen eigenen Namen: die Portfoliokarriere. Die Idee dahinter: Du verteilst deine Energie bewusst auf verschiedene Rollen, ähnlich wie bei einem finanziellen Investment. Statt deine gesamte Schaffenskraft in eine einzige Position oder Firma zu geben, kombinierst du unterschiedliche Tätigkeiten. Dein Einkommen kommt aus mehreren Quellen.
Hays, eine internationale Personalberatung, geht davon aus, dass unterschiedliche Lebensentwürfe sowie flexible Arbeits- und Vertragsmodelle zunehmen werden. Quereinstiege, Branchenwechsel oder neue Kombinationen von Tätigkeiten werden normaler. Klassische lineare Karrieren verlieren zunehmend an Bedeutung.
Einfache Beispiele: Musiklehrerin, freie Musikerin und Chorleiterin; Projektmanagerin in der Industrie und Trauerrednerin; Kinderärztin und eigenes Onlinebusiness rund um Kinderwunsch; Ingenieur im Konzern und Almhüttenbetreiber.
Es kann eine Mischung aus Angestelltenverhältnis und Selbstständigkeit sein, mehrere selbstständige Tätigkeiten oder auch eine Mischung aus Beruf und Ehrenamt.
Die Frage, die du dir stellen darfst, ist: Wie finde ich einen Weg, das zu tun, was mich erfüllt, und gleichzeitig in finanzieller Fülle zu leben?
Deine Vision als Kompass und Motivation
Was passiert, wenn wir uns nie auf den Weg machen? Weil wir denken, „damit kann ich eh kein Geld verdienen“!?
Ja, richtig: Vermutlich wirst du dann auch in drei Jahren noch unzufrieden in einem Job sitzen, der dir keine Freude macht, indem du möglicherweise viel Geld verdienst, aber einfach unzufrieden bist.
Andererseits fühlt es sich im gleichen Job mit dem gleichen Gehalt ganz anders an, wenn du eine Vision hast und weißt, wie deine Berufung aussieht (und damit meine ich nicht den einen Job) und du mehr und mehr Platz dafür schaffst. Kannst du das fühlen?
Ein sehr bildlicher Vergleich bringt zum Ausdruck, was ich sagen möchte:

Es ist ein großer Unterschied, ob du unzufrieden einen einzelnen Stein bearbeitest oder du diesen Stein bearbeitest und weißt, dass er für eine Kathedrale ist.
Arbeitest du an einem Stein, ohne die Kathedrale zu sehen, fühlt sich die Arbeit klein und mühsam an. Siehst du die Kathedrale, verändert sich die Bedeutung jedes einzelnen Steins, auch wenn sich an der Arbeit selbst nichts ändert. Das lässt sich direkt auf den Alltag übertragen, der Brotjob oder die einzelnen Schritte in Richtung Vision sind die Steine, die Vision ist die Kathedrale.
In kleinen Schritten zur Berufung
Eine Kathedrale entsteht nicht an einem Tag, sondern Stein für Stein. Genauso darfst du dir deine Berufung vorstellen.
Drei Schritte helfen dir dabei:
- Zuerst geht es darum, dich selbst zu verstehen: Wer bin ich wirklich, abseits von Jobtitel und Erwartungen anderer? Was kann ich, was will ich? Goethe hat treffend formuliert: "Was immer du tun kannst oder träumst, es zu können, fang damit an."
- Dann sammelst du Ideen, die dazu passen, ohne sie schon zu bewerten.
- Und daraus erarbeitest du deine Vision, deine Kathedrale. Hör hier nicht auf, sonst bleibt sie ein Luftschloss.
Das Wichtigste kommt danach: Brich deine Vision konkret herunter. Was bedeutet sie für das nächste Jahr, was für den nächsten Tag? Merkst du dabei, dass du deine Komfortzone verlässt? Dann bist du auf dem richtigen Weg.

Fazit
Deine Berufung führt dich nicht automatisch zu einem gut bezahlten Job. Aber nicht loszugehen, weil du denkst, dass du damit ohnehin kein Geld verdienen kannst, ist genauso wenig eine Lösung.
Die erste Frage bleibt: Wer bin ich und was will ich in die Welt bringen? Die zweite Frage ist: Wie kann ich meine Berufung leben und gleichzeitig ein Leben in finanzieller Fülle gestalten?
Es gibt zahlreiche Wege, von seiner Berufung zu leben: vom Traumjob mit den passenden Lebensumständen bis zur Kombination verschiedener Tätigkeiten, angestellt, selbstständig oder beides.
Am Ende macht es einen Unterschied, ob du an einem einzelnen Stein arbeitest oder an deiner Kathedrale. Deine Perspektive verändert sich, und mit ihr das Ergebnis.
Zum Nachdenken: Wo kannst du in deinem Leben Platz für deine Berufung schaffen, sei es fürs Herausfinden oder für die Umsetzung?


