„Was willst du mal werden?“
Wenn ich dir diese Frage früher gestellt hätte, was wäre deine Antwort gewesen?
Vielleicht Erzieherin, Pilotin, Fotografin, Lehrerin, Ärztin oder Sängerin?
Auch heute antworten Kinder noch ganz ähnlich.

Wir haben gelernt, in Berufen zu denken. Unsere Wirtschaft und Arbeitswelt orientieren sich an klaren Rollen und Jobtiteln.
Doch KI, Künstliche Intelligenz, verändert unsere Arbeitswelt gerade grundlegend. Was das für dich bedeutet und wie das mit deiner Berufung zusammenhängt, darum geht es in diesem Artikel.
Zukunft der Arbeit: Wie KI unsere Arbeitswelt verändert
Wenn du von künstlicher Intelligenz die Rede ist, geht es oft um die Frage: Welche Jobs verschwinden?
Doch KI wird nicht einfach Jobs ersetzen, sie wird unsere Arbeitswelt grundlegend verändern.
Viele Expert:innen gehen davon aus, dass die Auswirkungen zuerst in den „White-Collar-Jobs“ merkbar sein werden, also in den Jobs, die in einer Büroumgebung ohne körperlichen Einsatz ausgeführt werden und für die man typischerweise eine Ausbildung oder ein Studium benötigt.
Studien unterstreichen die Veränderung der Arbeitswelt:
Die Boston Consulting Group geht davon aus, dass über die Hälfte der Jobs in den nächsten Jahren neu gestaltet wird.1 Laut dem World Economic Forum werden bis 2030 rund 39% der bestehenden Fähigkeiten überholt sein.2
Schon heute zeigt sich:
Vor allem einfache und wiederkehrende Aufgaben können automatisiert werden. KI kann beispielsweise Übersetzungen, administrative Tätigkeiten oder die Programmierung übernehmen. Damit sind nicht nur die „einfacheren“ Jobs betroffen, sondern auch diejenigen, die eine höhere Qualifikation erfordern.
In den USA baut Amazon 16.000 Stellen ab, unter anderem wegen KI.3 Es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung andere Industrien und Länder betreffen wird.
Shama Hyder sieht in den USA einen Rückgang bei Einstiegsjobs nach dem Studium – die Anforderungen für Absolventen ändern sich.
Was bedeutet das konkret?
Viele Aufgaben, die heute auf Wissen und Analyse basieren, können von KI übernommen oder unterstützt werden. Dadurch verschwinden vor allem einfachere Jobs, während sich bei vielen Berufsbildern das Aufgabenprofil verändert.
Zwei Beispiele machen das deutlich:4
Am Beispiel des Softwareentwicklers zeigt sich: Rund ein Drittel der Aufgaben kann automatisiert werden, während über 40% durch KI unterstützt werden.
Beim Human Resources Manager ergibt sich ein anderes Bild: Über 60% der Aufgaben bleiben unberührt, lediglich ein kleiner Teil wird automatisiert oder durch KI ergänzt.
Man kann interpretieren: Je mehr menschliche Interaktion erforderlich ist, desto weniger kann KI ersetzen. Je stärker Aufgaben auf Daten, Analyse und Wissen basieren, desto größer ist das Potenzial für KI.
Gerade in vielen qualifizierten Bürojobs wird KI deshalb das Jobprofil und die Anforderungen deutlich verändern und damit die Arbeitsweise von Firmen.

Vom Jobtitel zum Skillset: Was wirklich zählt
Diese Entwicklung führt dazu, dass Arbeit weniger in Berufen und mehr in Fähigkeiten, Skills, gedacht wird und dass andere Skills gebraucht werden als in der Vergangenheit.
Die Zukunftsforscherin Sinead Bovell beschreibt genau das. Ich empfehle, ihr Video dazu anzuschauen. Aus ihrer Sicht führt es dazu, dass Menschen ihre Fähigkeiten zunehmend flexibler einsetzen werden: in unterschiedlichen Rollen, Projekten und Kontexten.
Das verändert auch klassische Karrierewege. Der lineare Weg – Ausbildung, Job, Aufstieg, verliert an Bedeutung. Stattdessen wird Arbeit projektorientierter und lebenslanges Lernen stehen im Vordergrund.5 – Ein zentrales Merkmal der Zukunft der Arbeit mit KI.
Sinead Bovell ist außerdem der Ansicht, dass wir in Zukunft mehr die Rolle einer Unternehmerin/eines Unternehmers haben und unsere Dienste mehreren Firmen gleichzeitig anbieten.
Was zählt, ist nicht mehr dein Jobtitel, sondern dein Skillset und deine Stärken zu finden sowie zu verstehen, was zukünftig wichtig ist.
Welche Fähigkeiten gewinnen in der KI-Welt an Bedeutung?
- kritisches Denken und Urteilsvermögen
- Kreativität
- Neugier und lebenslanges Lernen
- KI Kompetenz
- emotionale Intelligenz und menschliche Zusammenarbeit
Kaif Fu Lee, ein taiwanesisch-amerikanischer Unternehmer und KI Experte, spricht von den Top 3 Fähigkeiten: Creativity, Critical Thinking, Curiousity.6
Du kennst den Satz: „Wissen ist Macht.“ Doch er greift heute zu kurz. Wissen allein reicht nicht. Entscheidend wird, kritisch zu hinterfragen und Wissen in die Umsetzung zu bringen.
Was das mit deiner Berufung zu tun hat
Früher, und auch heute noch, ist der Beruf oft identitätsstiftend. Vor allem in Deutschland und anderen westlichen Ländern.
Wenn du Menschen neu kennenlernst, geht es schnell um Sätze wie: „Ich bin Lehrerin“, „Ich bin Controllerin“, „Ich arbeite mit Marketing“.
Wir identifizieren uns über unseren Beruf. Doch was passiert, wenn diese Identität wegfällt?
Auch beim Thema Berufung denken viele an den einen richtigen Job. Etwas, das man findet und dann passt alles.
Doch darum geht es bei der Berufung nicht.
Es geht nicht um den einen Job, sondern um deine Identität. Wenn du das verstehst und deine Richtung kennst, kannst du leicht berufliche Rollen ableiten, die dazu passen. Der Fokus liegt bei dir!
Beim Berufung finden arbeiten wir immer von oben nach unten – von der Vision zu dem, was gerade möglich ist. Nicht anders herum.
Auch KI verstärkt die Verschiebung: Sie rückt den Fokus weg vom festen Beruf hin zu deiner Identität. Denn wenn sich Rollen schneller verändern und weniger stabil sind, wird es schwieriger, sich über einen Job zu definieren.
Die äußere Sicherheit bröckelt und innere Sicherheit wird immer wichtiger. Damit meine ich, Antworten auf folgende Fragen zu haben.
- Wer bin ich?
- Was kann ich?
- Wie möchte ich das heute ausdrücken?
Gerade wenn du dich beruflich neu orientieren möchtest, wird es entscheidend, dich selbst besser zu verstehen und nicht mehr über eine bestimmte Rolle zu definieren:
- Was interessiert dich wirklich? Welche Themen?
- Welche Fähigkeiten hast du, was fällt dir leicht?
- Was macht dir Freude? Was gibt dir Energie?
Das ist eine zentrale Grundlage für berufliche Erfüllung.
Berufung bedeutet nicht, etwas zu finden, das für immer passt. Sondern zu verstehen, was dich ausmacht und darauf deinen beruflichen Weg aufzubauen.
Deine Richtung zu kennen, deine Identität und deine Fähigkeiten zu verstehen, hilft dir, in einer sich verändernden Arbeitswelt zu navigieren und in Phasen der beruflichen Neuorientierung, dich klarer auszurichten.
Die Grenze von KI
Bei all dem Fortschritt lohnt sich ein klarer Blick auf die Grenzen.
KI kann viel: Daten analysieren, Muster erkennen, Prozesse beschleunigen. Eben Aufgaben automatisieren und effizienter gestalten.
Was sie nicht kann:
- Intuition nutzen
- beurteilen und entscheiden zu können
- Leidenschaft empfinden und Charisma ausstrahlen
- einen eigenen Antrieb zu haben
Einen Antrieb und eine Ausstrahlung hast du dann, wenn du in deinem Element bist, das lebst, was dir entspricht.
Deine Chance
Ja, vermutlich wird KI Jobs verschwinden lassen, aber es wird auch neue Jobs geben.
Jobs, in denen du deine Intuition nutzen kannst, in denen du mit Menschen agierst, handwerklich etwas kreierst und beispielsweise anderen Menschen hilfst, mit all diesen Veränderungen klar zu kommen. Es wird Menschen benötigen, die die Schnittstelle Mensch und Maschine beherrschen und die mit KI Ergebnisse erzeugen und überwachen können.
Der Beruf als feste Identität verliert an Bedeutung und sogenannte sichere Jobs sind morgen nicht mehr sicher. Gut möglich, dass morgen die gut bezahlten Jobs ganz andere sind. Vielleicht der Klempner, Handwerker? Würdest du dann die gleiche Berufswahl treffen?
Deine innere Klarheit gewinnt an Bedeutung. Es ist eine Chance, dich wieder mehr über dich selbst zu definieren und weniger über eine berufliche Rolle, die morgen nicht mehr dieselbe ist. KI erlaubt dir, die Arbeit zu tun, die du wirklich machen möchtest.
„Technology ist allowing you to be you.“ 7 (Alexander Manu)
KI erfordert neue Fragen
„Was willst du mal werden?“
Mit dieser Frage begann dieser Artikel.
Diese Frage hat uns lange begleitet. Vielleicht braucht sie heute eine neue Richtung.
Weg von konkreten beruflichen Rollen, hin zu „Wer will ich sein?“
Statt Kinder in feste Berufsbilder zu lenken, dürfen wir ihnen helfen, ihre Talente zu entdecken, sie zu entwickeln und so ihre wirklichen Stärken zu leben. Etwas, für das sie morgens gerne aufstehen.
Wenn der Beruf als feste Orientierung an Bedeutung verliert – wie es in der Zukunft der Arbeit mit KI immer deutlicher wird – und deine Fähigkeiten zum Unterscheidungsmerkmal werden, rückt dein Verständnis für dich selbst in den Mittelpunkt.
Und damit auch die Frage: „Womit kann und will ich der Welt dienen?“ Welche Probleme möchte ich lösen?
Melde dich, wenn du das für dich herausfinden möchtest.
Quellenangabe:
- https://www.bcg.com/publications/2026/ai-will-reshape-more-jobs-than-it-replaces, 30.4.2026 ↩︎
- https://reports.weforum.org/docs/WEF_Future_of_Jobs_Report_2025.pdf, 30.4.2026 ↩︎
- https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2026-01/us-konzern-amazon-stellenabbau-weltweit-ki-umbau, 4.4.2026 ↩︎
- https://www3.weforum.org/docs/WEF_Jobs_of_Tomorrow_Generative_AI_2023.pdf, 30.4.2026 ↩︎
- https://www.youtube.com/watch?v=4whdDIco06c, 30.4.2026 ↩︎
- https://www.youtube.com/watch?v=Jyey_tuFWGw, 30.4.2026 ↩︎
- https://www.youtube.com/watch?v=Ycs6ibSb9oE, 30.4.2026 ↩︎


