Lebensaufgabe finden: Warum es nicht die eine gibt

Juli 21, 2026 | Berufung & Sinn

Lebensaufgabe finden: Was ist meine Lebensaufgabe

Was ist meine Lebensaufgabe?

Wie finde ich meine Lebensaufgabe, gibt es überhaupt die eine? Genau darum geht es in diesem Artikel.

Für die meisten Menschen steckt hinter dieser Frage der Wunsch nach etwas, das Sinn gibt: das Gefühl von Zufriedenheit, Freude, „endlich ankommen". Vielleicht bist du gerade unzufrieden mit deiner Situation, hattest schon mehrere Jobs oder bist auf der Karriereleiter geklettert, und trotzdem bleibt diese leise Unzufriedenheit, der Wunsch, weiterzuziehen. Oder es gibt gerade einen konkreten Anstoß von außen: einen Jobverlust, eine Umstrukturierung, eine persönliche oder gesundheitliche Herausforderung, die dich zum Umdenken bringt. Was ist dein Auslöser?

So unterschiedlich diese Auslöser sein können, meist geht es dabei um etwas, das tiefer liegt als der nächste Job. Wenn du hier gelandet bist, gehe ich davon aus, dass genau dieses Bedürfnis dich hergeführt hat. Lass uns zunächst herausfinden, weshalb du genau hier bist, anhand meiner eigenen Definitionen von Lebensaufgabe und Co., damit du selbst besser einordnen kannst, was dir wichtig ist und wonach du eigentlich suchst.

Berufung, Bestimmung, Lebensaufgabe, Purpose: was ist eigentlich was?

Diese Begriffe werden im Alltag oft wild durcheinander geworfen. Sie berühren sich, überschneiden sich, meinen manchmal dasselbe und manchmal etwas ganz anderes. Damit du besser einordnen kannst, wonach du eigentlich suchst, lohnt sich ein Blick auf meine Interpretation der einzelnen Begriffe.

Berufung

Mein Gefühl ist, dass viele Menschen die Berufung mit einem Beruf verwechseln und mit dem Gefühl, endlich anzukommen. Das ist sie für mich nicht.

Die Berufung geht weit über den Job hinaus: Es geht um die Art und Weise, wie du leben und wirken möchtest. Sie ist wie ein roter Faden, der sich durchs Leben zieht, der Ausdruck dessen, was dir Freude bereitet und wie du in der Welt wirken willst. Das kann sein, Menschen oder Organisationen zu entwickeln, Schönheit in die Welt zu bringen oder Innovation voranzutreiben. Die Berufung ist damit eher ein Überbegriff, der sich in ganz unterschiedlichen Rollen ausdrücken kann, ähnlich wie Vision und Mission einem Unternehmen Orientierung geben und Entscheidungen erleichtern.

Der konkrete Ausdruck deiner Berufung, also das, was du tust, zeigt sich dagegen vielfältig und verändert sich meist im Laufe der Zeit: im Beruf, im Ehrenamt, als Elternteil, im Hobby, oder in mehreren davon gleichzeitig. Das Ergebnis ist Lebensfreude. Vielleicht nicht jeden Tag, aber als grundsätzliches Gefühl, in der richtigen Spur zu sein und das Leben zu gestalten statt nur zu funktionieren. Berufung bedeutet: Deine innere und äußere Welt passen zusammen.

Bestimmung

Während sich Berufung vor allem auf dein berufliches Wirken bezieht, geht Bestimmung weit darüber hinaus. Hier fließt die Weisheit einer meiner Ausbilderinnen, Dipl.-Psychologin Angelika Gulder, ein: Die Bestimmung umfasst alles, was in deinem Leben eine Rolle spielt: dich über dein Tun auszudrücken (deine Berufung zu leben), deine Lebensträume zu verwirklichen (etwa die eigene Finca am Meer oder eine Tierauffangstation) und deine Lebenslernaufgaben zu meistern (zum Beispiel Selbstsicherheit zu entwickeln oder Nein sagen zu lernen). Ein Blick in deine eigene Biografie hilft dir, diese Lernaufgaben zu erkennen. Meist sind es Herausforderungen, die immer wiederkehren.

Die Bestimmung ist also größer als die Berufung, denn die Berufung ist nur ein Teil davon: der tiefere Sinn deines Lebens, weit über den Job hinaus.

Lebensaufgabe und Purpose

Die Begriffe Lebensaufgabe und Purpose verwende ich für mein Gefühl synonym zu Berufung oder Bestimmung. Entscheidend ist nicht die exakte Definition, sondern: Worum geht es dir? Identifizierst du das, was du suchst, eher mit dem Begriff Bestimmung oder mit Berufung?

Der gemeinsame Kern

So unterschiedlich diese Begriffe klingen mögen: im Kern geht es bei allen um Selbstverwirklichung, um Orientierung und darum, Glück, Erfüllung zu finden und Glück und Zufriedenheit zu spüren. Es geht darum, von innen nach außen zu leben und dein Leben selbst zu gestalten, und dir die Frage zu stellen: Welche Energie möchte ich in die Welt bringen? Wie möchte ich wirken?

Der Mythos von der einen wahren Lebensaufgabe

Kommen wir zurück zur Lebensaufgabe, weshalb du hier gelandet bist.

Was mir an dem Begriff nicht gefällt: Es geht um die Lebensaufgabe. Also um die eine. Das schafft eine sehr hohe Erwartungshaltung, und spätestens in der Lebensmitte wirst du dich fragen, weshalb du sie noch nicht gefunden hast.
Ich möchte dir eine andere Perspektive geben: Vielleicht können wir die Lebensaufgabe, vergleichbar mit der Berufung, eher als Überbegriff betrachten, unter dem sich verschiedene Tätigkeiten im Laufe deines Lebens versammeln. Für die einen ist es sinnstiftend, Menschen bei der Heilung zu unterstützen, für andere, Menschen miteinander zu verbinden, und wieder andere treibt Innovation und Technologie an.

Wenn du auf dein Leben zurückblickst, du kennst sicher das Zitat von Søren Kierkegaard, dass das Leben vorwärts gelebt und rückwärts verstanden wird, und auf die Tätigkeiten schaust, die dir Freude gemacht haben: Welches wiederkehrende Muster erkennst du dann?

Wie sehr hast du gerade das Gefühl, dass deine inneren Bedürfnisse und Wünsche zu deinem äußeren Leben passen? Wo würdest du auf einer Skala von 1 bis 10 stehen, wobei 1 überhaupt nicht zutrifft und 10 voll zutrifft? Je mehr inneres und äußeres zusammenpassen, desto mehr Glück und Sinn empfinden wir.

Was müsste passieren, damit du auf eine 10 kommst, damit du sagen kannst: Ich drücke das aus, was ich bin, und wie ich mich innerlich fühle? Liegst du eher im oberen Bereich der Skala, dann lebst du das schon recht gut. Je niedriger dein Wert, desto mehr können dir die folgenden Reflexionsfragen helfen, diesem roten Faden auf die Spur zu kommen.

Reflexionsfragen zu deiner Lebensaufgabe

Deine Grundhaltung entscheidet mit

Bestimmt kennst du die Situation, dass du krampfhaft versuchst, deine Schlüssel zu finden. Nervös, angestrengt, genervt. Du findest sie nicht. Später, du sitzt gelassen am Schreibtisch, da fällt es dir plötzlich ein.

Genauso ist es mit der Lebensaufgabe: Je krampfhafter du danach suchst, desto schwerer wird es. Je entspannter du dich fühlst, desto einfacher nimmst du deine Ideen wahr und hörst auf deine Impulse. Genau diese sind es, die dich auf den Weg bringen, auf dem du das Gefühl hast, das bin ich.

Zwei Tipps, um dich immer wieder in eine gute Grundhaltung zu bringen: Überleg’ dir, wofür du dankbar bist, ganz konkret. Und beweg dich eine Runde in der Natur, ein Spaziergang kann einen großen Unterschied machen.

Reflexionsfragen zur Lebensaufgabe.

Drei Blickwinkel, sechs Fragen

Hier ein paar Fragen, die dich inspirieren können. Hab dabei im Hinterkopf: Es gibt nicht die eine Lebensaufgabe, aber du hast eine Art und Weise zu sein, eine Herangehensweise, die sich immer wiederholt und in unterschiedlichen Situationen zum Ausdruck kommt. Der Aha-Moment entsteht, wenn du aus deinen Antworten einen gemeinsamen Nenner erkennst.

Beantworte die Fragen am besten aus dem Gefühl heraus, mit dem, was dir zuerst in den Kopf kommt.

Was andere in dir sehen, bevor du es selbst siehst

  • Welche Rolle übernimmst du automatisch in jeder Gruppe, ohne dass sie dir je zugewiesen wurde?
  • Wofür wirst du immer wieder gelobt oder bewundert, wozu wirst du um Hilfe gebeten? Möglich, dass du dabei denkst, das ist doch nichts Besonderes?

Was dich von innen berührt

  • Welche Bilder und Geschichten berühren dich? Wann hattest du zuletzt Gänsehaut, und was genau löst dieses Gefühl aus?
  • Wann fühlst du dich lebendig statt nur beschäftigt?

Ganz ohne Erwartungen

  • Was würde dein achtjähriges Ich sagen, wenn es deinen heutigen Alltag sehen würde?
  • Was tust du bereits, ohne dass es jemand von dir verlangt, ohne Bezahlung, einfach, weil du es nicht lassen kannst?

Am besten beantwortest du die Fragen handschriftlich, machst dir Notizen und schaust dann, was sich möglicherweise wiederholt.
Es gibt also nicht die eine Lebensaufgabe, die es zu finden gilt, sondern einen roten Faden, der sich durch verschiedene Rollen und Tätigkeiten in deinem Leben zieht. Deine Grundhaltung entscheidet mit, wie leicht du auf deinen Weg kommst.

Deine Lebensaufgabe finden: drei Wege zu mehr Erfüllung

1. Dein Dharma-Archetyp

Eine Herangehensweise stammt von Sahara Rose aus ihrem Buch „Discover Your Dharma". Sie ist eine Bestsellerautorin, Speakerin und Podcasterin aus den USA.

Sie teilt in „Dharma" Archetypen ein, etwa den Lehrer, der aus eigener Erfahrung führt und lehrt, den Künstler, der Schönheit erschafft, oder den Aktivisten, der sich für eine gerechtere Welt einsetzt. Auch sie ist überzeugt davon, dass sich der Ausdruck deiner, wir nennen es hier, Lebensaufgabe unterschiedlich zeigt. Die Lebensaufgabe, das „Dharma", könnte sein, eine Stimme für die Tiere zu sein, ausdrücken kannst du das in ganz verschiedenen Rollen.

Das ausführliche Quiz mit allen neun Archetypen findest du auf Saharas Seite.

2. Dein Archetyp im Tarot

Eine weitere Möglichkeit, wertvolle Antworten zu erhalten, ist dein Archetyp im Tarot. Das Tolle dabei: Du beantwortest keine Fragen, sondern rechnest deinen Archetyp aus und schaust, was dich davon anspricht.

Bei dem Wort Tarot schrecken manche Menschen zurück und denken an Wahrsagerinnen oder Astro-TV. Darum geht es hier nicht. C.G. Jung, ein renommierter Schweizer Psychiater, fand heraus, dass sich die Stationen der bekannten Heldenreise in den 22 Tarotkarten der großen Arkana wiederfinden. Sie zeigen die Lebensweg-Urbilder der Menschen, damit hat es letztlich mehr mit Psychologie als mit Mystik zu tun.

Verbindet man dieses Wissen mit der Numerologie, ergibt sich dein Archetyp, indem man alle Zahlen des Geburtsdatums addiert. Mein eigener Archetyp ist beispielsweise die Nummer 5, der Hohepriester, bei dem es unter anderem darum geht, anderen zu helfen, den Sinn des Lebens zu finden, etwa als ganzheitlicher Coach. Für mich persönlich war das ein echter Aha-Effekt.

Wenn du das für dich herausfinden möchtest, empfehle ich dir Angelika Gulders Buch „Dein Seelen-Navigator". Dort beschreibt sie die Archetypen ausführlich und verrät, wie du auf deine eigene Zahl kommst.

3. Deine Lebensaufgabe finden mit Human Design

Was ich selbst sehr gerne in meinen Coachings und Mentorings nutze, ist Human Design nach Codes of Life®. Alles, was du dafür brauchst, ist dein Geburtsdatum, Geburtsort und deine Geburtsuhrzeit, daraus erhältst du Informationen über die einzigartige Energie und das Potenzial, mit dem du geboren wurdest. Einen ersten Einblick bekommst du über diesen Chart-Generator.

Human Design geht davon aus, dass alles, was du in die Welt bringen möchtest, bereits in dir angelegt ist, du darfst es im Laufe deines Lebens wieder entdecken. Der eigentliche Wert liegt dabei nicht darin, dein Lebensthema wortwörtlich aus der Chart herauszulesen, sondern deine Gesamtenergie zu verstehen und auf deine aktuelle Situation zu übertragen. Dein Lebensthema bezieht sich also nicht auf einen bestimmten Job, sondern auf eine generelle Energie, die sich in ganz unterschiedlichen Rollen ausdrücken kann.

Deine Mission könnte zum Beispiel sein (ganz einfach ausgedrückt), mit Freude Fertigkeiten zu entwickeln, dich kreativ auszudrücken und andere zu motivieren, ihren eigenen Ausdruck zu finden, und das lässt sich auf vielfältigste Art und Weise leben.

Wenn du mehr über deine eigene Energie erfahren möchtest, schreib mir gerne, was dein Thema ist.

Fazit: Was ist meine Lebensaufgabe

Erfüllung zu finden bedeutet nicht, den einen richtigen Beruf zu finden oder irgendwo endgültig anzukommen. Es ist ein Prozess, der dich dein Leben lang begleitet. Schritt für Schritt lernst du dich besser kennen und passt deine äußeren Umstände immer mehr an dein Inneres an.

Vielleicht ist genau das unser eigentlicher Lebenszweck: die Person zu werden, die wir wirklich sind. Ein Blick in unsere Kindheit hilft uns oft dabei, uns daran zu erinnern, wer wir waren, bevor wir gelernt haben, uns anzupassen und Logik über Intuition zu stellen. Versteh’ mich nicht falsch, dein Verstand ist großartig, wenn es darum geht, Daten zu analysieren oder Zusammenhänge zu erkennen. Aber als Kompass fürs Leben, besonders wenn du nach Erfüllung und Sinn suchst, ist deine Intuition das verlässlichere Werkzeug.

Verschiedene Tools können dir helfen, wieder mehr auf diese Intuition zu vertrauen. Mein persönliches Lieblingstool dafür ist Human Design: Anhand deiner Geburtsdaten zeigt es dir, welche Stärken und Bedürfnisse in dir angelegt sind, welche Energie du mitbringst und wofür du eigentlich hier bist.

Ihr zu folgen bedeutet, den Antrieb zu spüren, sie auch wirklich zu leben. Zu wissen, wer du bist und wo du hinwillst, gibt dir Mut, Orientierung und Kraft.

Wenn du hier gelandet bist, spürst du vermutlich schon diese innere Unruhe, tiefer zu gehen und intensiver zu leben. Vertrau darauf: Du musst nichts im Außen finden. Du darfst entdecken, was längst in dir angelegt ist.

Silke Fernández - Coach für berufliche Neuorientierung und Diplom-Betriebswirtin (FH)

Hi, ich bin Silke. Ich unterstütze Frauen mit Berufserfahrung dabei, Klarheit über sich selbst zu gewinnen und bewusst zu entscheiden, wie es beruflich weitergehen soll.

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